Conférence de Budapest :
vrijdag 20 juni 2008 — Laatste toevoeging dinsdag 12 augustus 2008

Gregorius Gelenius

Gregorius Gelenius (ca. 1460 - 1514), tschechischer Übersetzer und Kommentator

1. Das Leben von Gregorius Gelenius
Über den Ursprung von Gelenius wissen wir nicht viel, eigentlich nicht mehr, als uns er in seinen Werken verraten hatte. Seine Familie gehörte zum niederen Adel und von der Religion her bekennte er sich zum Utraquismus. Er kam aus dem Lande nach Prag, wo er sich an dem literarischen Leben beteiligte und sein Lebensgehalt wahrscheinlich auch als Übersetzer und Schreiber seiner eigenen Übersetzungen verbesserte. In der europäischen Literaturgeschichte kennt man Gregorius als Übersetzer von Petrarca und (nicht zuletzt) als Vater des bekannten Sigismundus Gelenius, Philologen und Mitarbeiter von Erasmus wirkenden in der Frobenius Druckerei in Basel. In der tschechischen Literaturgeschichte hingegen gehört ihm eine wichtige Stelle. Zusammen mit Viktorinus de Vssehrd wird er zu den wichtigsten Protagonisten des tschechischen nationalen Humanismus gezählt. Die Humanisten dieser Gruppe pflegten Tschechisch als Sprache der Übersetzungen und der originalen tschechisch geschriebenen Literatur. Sie pflegten auch Kontakte mit den lateinisch schreibenden Humanisten, großes Vorbild der Gelehrsamkeit war für sie Bohuslaus von Lobkowicz und Hassenstein.
Über die Bildung von Gregorius weiß man kaum etwas. Als Autodidakt kannte er gut Lateinisch, was nicht über das Griechische gesagt werden kann. Bei Übertragung griechischer Autoren ins Tschechische benutzte er lateinische Übersetzungen. Griechisch war ihm jedoch sehr wichtig - seinem Sohn ermöglichte er das Studium in Italien und förderte auch seinen begabten Präzeptor Wenceslaus Piscensis. Seine Idee war es, ein Lehrstuhl des Griechischen an der Karlsuniversität zu errichten, was ihm leider in der konservativen Universitätswelt nicht gelungen ist. Angeblich fing Gregorius am Anfang seiner literarischer Tätigkeit an Gedichte zu übersetzen, von Bohuslaus Hassensteinius (dessen lateinische Gedichte er ins Tschechische zu versetzen wollte) heftig kritisiert, hörte er auf mit Dichtung und beschränkte sich seitdem bei der Wahl seiner Vorlagen für seine Übersetzungen bloß auf Prosawerke.
 
2. Das Werk von Gelenius
Den Kern seiner Tätigkeit bilden die Übersetzungen. Er übersetzte 1. antike Klassiker (Cicero: Laelius de amicitia; Paradoxa) 2. patristische Schriften (Hl. Gregorius, Hl. Basilius, Joh. Chrysostomus) 3. italienische Humanisten (Petrarca, Campanus, Pontanus) 4. Erasmus von Rotterdam (die erste Übersetzung der Laus stultitiae in die Nationalsprache, cca 1511) 5. tschechische Humanisten (Bohuslaus von Lobkowicz und Hassenstein, Wenceslaus Piscensis).
Außer Übersetzungen schrieb Gregorius:
- Kommentare und Nachworte zu seinen Übersetzungen
- eine literarischen Mahnung an die Prager Bürger, dessen Form stark durch Ciceros Rede De imperio Cn. Pompei beeinflusst ist.
 
3. Die Überlieferung seiner Werke
Die Übersetzungen von Gregorius Gelenius haben sich in der handschriftlichen sowie auch gedruckten Form erhalten. Zurzeit kennt man drei Titel seiner gedruckten Werke, von denen zwei mit konkreten Exemplaren belegt werden können.
Alle bekannten Handschriften von Gelenius werden in der Nationalbibliothek der Tschechischen Republik aufbewahrt. Es handelt sich meistens um die von ihm zusammengestellten handschriftlichen Sammelbände.
Zu den Empfänger seiner Sammelbände gehörten die Adelsherren wie Ladislaus von Sternberg, wahrscheinlich auch Peter von Rosenberg - die meisten Handschriften sind nämlich in die Nationalbibliothek aus dem Besitz des Jesuitenkollegs in Český Krumlov (Böhmisch Krumau) gelangen, wo viele Bücher aus der Rosenbergischen Bibliothek nachgewiesen sind.
 
4. Das aktuelle Vorhaben
- neue revidierte Bearbeitung der Handschriften von Gelenius´ Übersetzungen mit spezieller Sicht auf die Vorlagen (meistens Drucke aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts). Identifizierung einiger Bruchstücke.
- neue kritische Bearbeitung der Vorreden, Nachworte und Marginalien von Gelenius.
 
5. Quellen und Sekundärliteratur: 1. Handschriften und alte Drucke 2. Editionen aus dem 19. Jahrhundert 3. Moderne Ausgaben und Literatur.
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